Atemberaubende Landschaften von Iguazú bis zur Route 40

2021-03-05T08:00:00.0000000Z

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Exclusivas Latinoamericanas

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Inhalt In Dieser Ausgabe

Es war im Januar 1542, als der große spanische Entdecker Alvar Núñez Cabeza de Vaca auf seiner Reise von der Südküste des heutigen Brasiliens nach Asunción del Paraguay, wo er von König Karl I. zum Gouverneur ernannt worden war, auf die Iguazú-fälle stieß. Erstaunt schrieb er in seine Chronik:„der Fluss macht einen Sprung über die sehr hohen Felsen nach unten, und das Wasser trifft mit einem so großen Schlag auf dem Erdboden auf, dass man es von weit her hören kann; und die Gischt des Wassers, das mit so viel Kraft hinabfällt, steigt so hoch wie zwei Speere und mehr“. Im Jahr 1934 schuf die argentinische Regierung per Gesetz den Iguazú-nationalpark, der nur wenig Minuten von Puerto Iguazú in der Provinz Misiones in der Küstenregion Argentiniens entfernt ist. 1984 werden die Wasserfälle zusammen mit dem sie umgebenden Dschungel voller Artenvielfalt wegen ihres außergewöhnlichen Wertes für das gemeinsame Erbe dieser manchmal so zerstörerischen Menschheit zum Weltkulturerbe erklärt. Am 11. November 2011 (11/11/11) wurden die Iguazú-wasserfälle in einer weltweiten Abstimmung, an der sich mehr als eine Milliarde Menschen beteiligt haben, zu einem der sieben Naturwunder der neuen Welt gewählt und stachen dabei unter den anderen 454 Nominierungen in außergewöhnlicher Weise hervor. Von den sieben Weltwundern der Menschheit aus der Antike sind nur noch die Pyramiden von Ägypten erhalten (die anderen wurden zerstört), doch diese „Neuen“überleben die Zeit als außergewöhnliche Orte, die die Natur seit Millionen von Jahren geschaffen hat. Diese besondere Wahl ließ die Besucherzahlen in die Höhe schnellen. Heute sind diese Wasserfälle eine der größten Touristenattraktionen der Welt. Ich kenne keinen einzigen Menschen, der die Iguazú-fälle nicht kennt, wenn davon die Rede ist. Jene„hohen Felsen“, auf die sich der Entdecker bezog, messen 82 m am Teufelsschlund (Garganta del Diablo), dem höchsten der 275 Wasserfälle, die sich auf verschiedenen Ebenen entlang der 3 km dieser beeindruckenden hakenförmigen geologischen Verwerfung verteilen. Wenn wir eine zentrale Längslinie ziehen, die den Haken in gleiche Teile teilt, würde der Bereich, der den Wasserfällen entspricht, auf der einen Seite, und Brasilien mit dem Rest auf der anderen Seite liegen. Alles bildet ein Ganzes, denn die Natur hat keine Grenzen. Der argentinische Teil ermöglicht es Ihnen, die Wasserfälle zu erleben, den Klang, das Licht und die Umwelteffekte kennenzulernen, die durch den heftigen Fall von Millionen von Litern Wasser pro Sekunde entlang von mehr als 200 Wasserfällen erzeugt werden, an denen wir oben und unten entlang gehen können. Unter dem ständigen Rauschen des gigantischen Falls des Wassers gingen wir über Plattformen, Treppen und gut markierte Wege von einem Wasserfall zum anderen, und wir waren beeindruckt von der subtilen Architektur der Regenbögen, die durch die unzähligen, in der Schwebe befindlichen Tropfen entstehen, die wie ein permanenter Nebel aufsteigen und das Sonnenlicht zersetzen und dem vielfarbigen Spektakel Platz machen. Zweifellos hat man in diesen Momenten ganz im Innern das Gefühl, privilegiert zu sein, etwas Einzigartiges in Raum und Zeit zu erleben. Mal zu Fuß, mal mit der elektrischen Bahn geht es in den Iguazú-naturpark, bis wir den Hauptfall, den Teufelsschlund (Garganta del Diablo) erreichen. Ein Steg über dem Flussbett ermöglicht es uns, immer näher heranzukommen, fast bis an den Rand der Klippe, wo ein großer Teil der 1,9 Millionen Liter pro Sekunde hinabfällt. Das ist die normale Menge, die bei Regen mit 2, 3 oder 4 multipliziert werden kann. Der Iguazú-fluss fließt langsam, indem er die typischen Mäander in der Dschungelebene nachzeichnet, und bahnt sich träge seinen Weg durch das Dickicht riesenhafter Bäume und anderer Vegetation, bis diese gigantische Kluft auftaucht, durch die diese Wassermassen Dutzende von Metern in die Tiefe stürzen und die Iguazú-fälle bilden. Um auch die irdische Umgebung kennenzulernen, gibt es die Möglichkeit einer Mini-safari, die uns in den Dschungel führt. Während der Tour wird uns der Führer helfen, Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten, wie z.b. Tukane, Affen, Nasenbären, eine große Vielfalt an Schmetterlingen, einschließlich der spektakulären Morpho-falter (Beiname von Aphrodite und Venus) mit ihren metallisch blau leuchtend Flügeln, und viele andere Tiere. ENTDECKUNG ENTLANG DER 40 Die argentinische Nationalstraße 40 namens„libertador General Don José de San Martín“führt quer durch Argentinien über Berg und Tal, durchquert Wälder und Wüsten, Gletscher und Vulkane, inmitten eines Naturparadoxons von atemberaubenden Landschaften, das uns nur die Anden bieten können. Von Patagonien bis fast an die Grenze zu Bolivien verläuft die Nationalstraße parallel zu den Kordilleren wie eine Allee wundervoller Gegensätze. Sie beginnt weit unten, fast an der Südspitze des Kontinents, tatsächlich ist ihr Km Null der Leuchtturm von Cabo Vírgenes in der Provinz Santa Cruz. Mit nur 39 Metern über dem Meeresspiegel ist sein tiefster Punkt zugleich der ideale Ausgangspunkt für eine Reise durch die ungeahntesten Orte (zu deren ersten Stationen eine Pinguinkolonie gehört), die über 5000 km später in La Quiaca in der Provinz Jujuy endet. Ähnlich wie die Rute 66 in den USA ist„die 40“gewissermaßen das Emblem für Argentinien; umso mehr, wenn man bedenkt, dass sie elf Provinzen durchquert: Santa Cruz, Chubut, Río Negro, Neuquén, Mendoza, San Juan, La Rioja, Catamarca, Tucumán, Salta und Jujuy. Über sie gelangt man nach El Calafate in der Nähe des berühmten Perito-morenogletschers zur Weinstraße in den Provinzen Mendoza und San Juan und dort zu den Ausgrabungsstätten von Dinosaurierfossilien. Sie führt uns zur Geschichte in Catamarca, den Ruinen von Quilmes in Tucunán, den Calchaquí-tälern, den höchstgelegenen Weinbergen der Welt in Cafayate entlang der Weinstraße von Salta, dem Viadukt La Polvorilla, über den der berühmte Zug zu den Wolken fährt, bis nach Puna. Der Anfang ist einer der einzigartigsten Abschnitte der 40; es ist das erste Schutzgebiet, das durchquert wird, das Provinzreservat Cabo Vírgenes mit der zweiten Kolonie von Magellanpinguinen in Südamerika. Die erste Stadt, Río Gallegos, die Provinzhauptstadt, wird bei Km 126 durchquert; und dann geht es nach Westen, von wo aus man die Gipfel der Anden sehen kann, an denen die Route für die nächsten 4700 km entlangführt und diese nicht mehr verlassen wird. Ein Teil der Strecke ist als Route der Sieben Seen bekannt, eine der schönsten Straßen der Welt, die an den Seen Correntoso, Espejo Grande, Escondido, Villarino, Falkner, Machónico und Lácar vorbei führt, die insgesamt die Zahl Acht erreichen, wenn wir den Nahuel Huapi hinzurechnen. In der Provinz Mendoza befindet sich das ebenso spektakuläre wie wenig bekannte Provinzreservat La Payunia. Mit mehr als 800 Vulkankegeln ist es eines der Gebiete des Planeten mit der höchsten Vulkandichte, eine Mondlandschaft, die vom Gipfel des Payún Liso gekrönt wird. Dann durchquert sie die Stadt San Juan, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, und führt in Richtung Norden (es empfiehlt sich, vorher einen Abstecher in den Provinzpark Ischigualasto in die Provinz La Rioja zu machen), wo sie entlang der spannenden Gebirgslandschaft Cuesta de Miranda verläuft. Es sind 311 asphaltierte Kilometer in Catamarca, wo sie malerische Städte wie Santa María mit einem großen historischen und kulturellen Erbe finden. In Tucumán, ganz in der Nähe schöner Städte wie Tafí del Valle oder Amaicha del Vache, befinden sich die Ruinen der Heiligen Stadt Quilmes, ein Gebiet, das als perfektes Zeugnis dient, um zu verstehen, wie die Ureinwohner von Quilmes in all ihrem Glanz im XVII Jahrhundert lebten. Der höchste Punkt ist Abra de Acay, ein Naturdenkmal in Salta, auf fast 5000 Metern über dem Meeresspiegel. In dieser Provinz ist es erwähnenswert, dass die Route durch die Schlucht Quebrada de las Fechas führt, eine häufig verfilmte Straße von Cafayate nach Cachi, auch durch San Antonio de los Cobres, eine Stadt, die für den monumentalen Zug zu den Wolken bekannt ist, der über den berühmten Viadukt La Polvorilla führt. Die Landschaften erscheinen einem wie eine Postkarte nach der anderen. In der Provinz Jujuy schließlich trifft die Route auf der einen Seite auf die weiße Wüste der Salinas Grandes, die seinerzeit vom National Geographic als einer der „17 wildesten und schönsten Orte der Welt“ausgezeichnet wurde, bis sie schließlich in La Quiaca an der Grenze zu Bolivien endet. Hier endest auch das Abenteuer mit Tausenden von unvergesslichen Erinnerungen.

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